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Einblicke in den Landkreis von Heiner Reber
 

Auf ruhigen Wassern – mit dem Kanu auf der PfreimdPfreimd ist nicht nur wegen der drei Anfangskonsonanten immer wieder Grund zur Heiterkeit bei unseren Freunden aus dem Westen, sondern auch ein wunderschöner kleiner Fluss im Osten des Landkreises. Die Quelle liegt in Tschechien, die Mündung in die Naab im gleichnamigen Städtchen, befahrbar ist die Pfreimd ab Pfrentsch (wo sonst?). Dort sind wir eingestiegen, um einen wunderschönen Nachmittag in der Wildnis zu verbringen.

Wer kein eigenes Boot hat leiht sich eines. Entweder in Weiden beim Kanu-Verleih oder bei einem der Kanuclubs in der Gegend. Mein Bruder Martin, der Kanu-Guide, hat sich heute für einen Kanadier entschieden, das Ur-Boot: Mit zwei Stechpaddeln ziehen sich die Seefahrer darin am Wasser nach vorn. Ein bisschen anstrengend, freilich, aber ein „echteres Boot-Gefühl“ gibt es wohl nicht. Ins Boot zu kommen ist unproblematischer als gedacht, es folgt eine kleine technische Einweisung: „Mit der unteren Hand das Paddel so nah wie möglich am Boot ins Wasser stechen und lang nach hinten ziehen. Die obere Hand schiebt und sorgt so für noch mehr Vortrieb.“ Alles klar? – dann „Leinen los“!Mit einem Jeep geht vieles leichter – auch der Kanu-Ausflug.

Wir haben nicht sehr gutes Wasser heute, dafür scheint die Sonne und innerhalb von drei Minuten lassen wir alles hinter uns, was in diesem Teil des Landes noch an Zivilisation zu finden ist. Für den im Boot Sitzenden ändert sich eines sofort: die Perspektive. Man befindet sich auf Augenhöhe mit der Natur. Was man von der Erdoberfläche aus nicht einmal richtig wahrnimmt, wird von der Wasserfläche aus als intensives und unerhört schönes Ökosystem sichtbar. Bäume, (Wasser-) Pflanzen, Fische, natürlich, und Enten, wassergebundene Insekten und Biber, dazu später mehr. Ruhe stellt sich ein, ganz von alleine, Ruhe vor dem zivilisatorischem Lärm und Ruhe in Dir, denn langsam geht es voran auf der Pfreimd für die beiden Kanuten. Immer tiefer dringen wir in den urwäldlichen Fluss ein. Der erste Kilometer ist gleich geschafft, ungefähr nach der nächsten Kurve. Dahinter wartet aber sVom Anführer getrennt zu sein durch Bibermauern – das ist das Los des Seefahrers auf der Pfreimd.chon das erste Hindernis: Familie Biber hat sich breit gemacht und zwar so breit, dass der gesamte Fluss für die Durchfahrt gesperrt ist. Zweimal der Versuch, mit Schwung die Blockade zu meistern, aber vergeblich. Aussteigen bitte! Dabei wird aber leider nicht nur Handy und Schlüssel in den Cargo-Taschen vergessen, sondern auch die Tatsache, dass sich das Wasser vor einem Biberbau notwendigerweise staut. Wo sich sonst gerade mal 50 Zentimeter Fluss unter dem Bug befinden, ist hier das Doppelte vorhanden - bis zum Gürtel versinkt der Kanu-Novize im Wasser. Kanu-guidliches Gelächter – gehört wohl dazu beim ersten Abenteuer auf dem Wasser! Die Profis hätten bei einem so kleinen und wenig befahrenen Flüsschen eine Säge dabei, um wenigstens die Bäume abzusägen die noch über dem Biberbau die Durchfahrt erschweren. Aber leider sind wir keine Profis. So ziehen wir unseren Mustang gerade eben so über die Sperre, hoffentlich wird Familie Biber wenigstens im Mittagsschlaf gestört. Eingestiegen und zügig fort von dem Ort der ersten Niederlage gegen das Urelement allen Lebens. Denkste! Zweihundert Meter weiter wartet Cousin Biber schon mit seinem Haus auf uns. Diesmal ist aber nur der Bau zu überschiffen, ohne Be- und Erschwerung durch Birke und Co. Dann wird erst einmal Fahrt aufgenommen, enFür echte Romantiker ein absolutes Muss – eine Ausfahrt im wilden Pfreimdtal.g ist es hier, aber man kommt durch. Der Erfahrenere, respektive der Stärkere sitzt hinten, denn da geht es ums Lenken, und das ist hier schwer gefragt: Kaum zwei Meter breit ist die Pfreimd und mit herabhängenden Ästen an den Ufern noch einmal natürlich verschlankt, da bedarf es schon einigen Könnens, um nicht andauernd in der Böschung zu stecken.

Nach einer Stunde haben wir die ersten vier Kilometer geschafft: Unter der Brücke nach Burkhardsrieth machen wir Rast. Nach all dem rein und raus haben wir uns das mitgebrachte Bier redlich verdient. Um uns herum Seerosen und tausende Libellen – wenn Gott seine schönsten und zerbrechlichsten Geschöpfe irgendwo als erste in die Welt gesetzt hat, dann sicher hier auf der Pfreimd, so viele fliegen und lieben sich hier herum. Die Naab ist bei uns noch zu befahren, die Fichtel- und die Haidenaab und auch auf der Luhe kann der Kanute sich bewähren. Allein, wir müssen noch ein Stück auf der Pfreimd und deshalb alle Mann an die Paddel! Langsam geht es weiter: Bier und Sonne sind die heimtückischsten Begleiter dGibt es irgendwo mehr Oberpfalz als in einem Kanu?es Seemanns, aber bis zur nächsten Abkühlung ist es nicht weit. Das Wehr an der Finstermühle hindert uns am Weiterfahren, wir steigen wieder aus und ziehen das Boot langsam an der Wehrmauer hinab. Dahinter ist dann endgültig Schluss mit Wasser. Wir ziehen das Boot wie einen müde gelaufenen Dackel hinter uns her, nur ein paar Meter, dann bringt ein kleiner Zufluss wieder mehr Wasser. Das schönste Teilstück der Strecke liegt jetzt vor uns: Ein einsames Waldtal, mit Kanada-Anmutung, jetzt erst fühlen wir uns wie richtige Abenteurer. Als wir ein paar Kilometer weiter aus dem Boot und aus dem Fluss aussteigen sind wir müde und vor allem völlig orientierungslos. Auch wer die Gegend wie seine Westentasche kennt, entdeckt, quasi unter der Oberfläche, beim Kanu-Fahren ganz neue Seiten an der eigenen Heimat. Eine Straße ist immerhin in der Nähe und ein Ortsschild auch. Auf dem Weg dorthin begegnet ein Auto dem Suchenden: „Wo bin ich hier eigentlich?“ werden die jungen Leute gefragt. „Bei Lohma, auf der Straße nach Isgier“, antworten die leicht Irritierten. Das muss genügen, um den Abholdienst zu informieren – aber nur wenn das Mobiltelefon das Pfreimdabenteuer überlebt hat!